Ich hatte als Bundeskaderathlet zum heutigen Sonntag die Möglichkeit, beim Invitational Run der Laufszene Sachsen an den Start gehen zu dürfen. In dem reinen Eliterennen konnte ich meine persönliche Bestzeit über 10km um fast eine Minute auf 31:33min steigern. Für mich war dieser Lauf und die Möglichkeit noch einmal eine schnelle 10km-Straßenlaufzeit angehen zu können extrem wichtig, da mein Frühjahr verletzungsbedingt suboptimal lief und meine Formkurve erst seit dem Spätsommer wieder ansteigend war.
Im Vorfeld habe ich in meiner Community der Asics Frontrunner nach der Meinung zu diesen exklusiven Eliteläufen gefragt. Hier herrschte ein allgemeiner Konzens, dass sofern es infektionstechnisch vertretbar ist, Profisport aufrecht erhalten werden sollte. So sei es doch eher Arbeit als Freizeit und Wettkämpfe demnach ein elementarer Bestandteil davon. Doch nicht jeder Läufer, der in den letzten Monaten mit einer Vielzahl von Absagen kleiner und großer Laufveranstaltung leben mussten, sieht das so. Und wenn man in der Bevölkerung außerhalb der Läuferbubble schaut, ist die Akzeptanz noch deutlich geringer.
Warum es für Kaderathleten und Profiläufer so wichtig ist, dass auch aktuell Wettkämpe stattfinden?

Warum nicht gleiches Recht für alle?
Unter dem Hashtag "DontCancelMySports bringen zahlreiche Hobbysportler ihren Frust, Unverständnis und Enttäuschung über ausgefallene Wettkämpfe und Trainingsmöglichkeiten zum Ausdruck. Was sind deren Hauptargumente?
Der Frust ist absolut verständlich, sowohl für die Athleten als auch für Laufveranstalter, zumal viele Vereine und Eventagenturen an ausgeklügelten Hygienekonzepten gearbeitet haben. Anders als bei Profisportlern sind ausgefallene Läufe für Hobbyathleten jedoch nicht existenzbedrohend. Zudem sind sie nicht auf Kader- und Qualifikationsnormen angewiesen, die nur bei offiziellen Läufen erreicht werden dürfen. Daher können sie beispielsweise zur Aufrechterhaltung der Motivation und des Rhythmus auch an den zahlreichen Virtual Runs teilnehmen.

Fazit
Ich kann und möchte keinesfalls beurteilen, ob die derzeitigen Maßnahmen die richtigen sind. Vielmehr möchte ich für ein klein wenig Akzeptanz für die Situation von mir und meinen Läuferkollegen (bzw. generell für alle Profi- und Kaderathleten) werben. Mir ist bewusst wie beängstigend, existenzbedrohend und demotivierend die Situation für einige ist. Und ja, dazu zählen auch viele großartige Vereine und Veranstalter von Laufevents. Umso bemerkenswerter, dass einige davon trotz alledem nicht den Aufwand und das Risiko scheuen einen solchen exklusiven Lauf auf die Beine zu stellen. Für die Laufszene Sachsen, der die Situation der letzten Monate extrem zu schaffen macht, war die Organisation des Invitational Runs wahrscheinlich mit deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen verbunden. Und trotzdem haben sie mit ganz viel Herzblut einen Lauf auf die Beine gestellt, der in Bezug auf die gerannten Zeiten national für Furore gesorgt hat. Umso trauriger machen mich die negativen Kommentare und Unverständnis von Teilen der Bevölkerung für dieses Event, vor allem da diese Debatte oftmals nicht sachlich geführt wird. Dabei sind diese wenigen Laufveranstaltungen, die unter strengen Auflagen stattfinden, für uns professionelle Läufer ein wichtiges Element unseres (Arbeits)alltags, der nicht nur Grundlage für unseren Leistungserhalt und der Kontrolle darstellt, sondern auch der finanziellen Existenzsicherung dient.