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Sportlerprofil by Larasch

Generation Eistonne?

Erholung ist im Sport immer ein beliebtes und hochgehandeltes Thema. Regeneration im Trainingsalltag sowie in Wettkampfphasen stellt einen nicht unerheblichen Einflussfaktor auf die Leitungsfähigkeit dar. Über Optionen, Methoden und Geheimtipps findet man unzählig Literatur. Blind vertrauen auf Tipps und Tricks sollte man nie und ein Hinterfragen hat in den wenigsten Fällen geschadet. Unter den regenerationsfördernden Maßnahmen nimmt das Eisbad eine Sonderstellung ein und erfreut sich steigender Beliebtheit.
 
Mit der Frage nach der Effektivität und Auswirkung von Kälteanwendungen nach einem Ausdauertraining beschäftigte sich Dr. Arthur J. Cheng [1]. In einer Studie wurde die Leistungsfähigkeit nach einer einstündigen Belastung am Armfahrrad evaluiert. Im Anschluss erfolgte eine zweistündige Erholungspause gefolgt von einem erneuten Belastungstest. Während der Regeneration erfolgte eine Kälte- oder Wärmeanwendung bzw. keine zusätzliche Anwendung in der Kontrollgruppe. Ebenfalls bekamen alle Teilnehmer während der Regeneration kohlenhydrathaltige Getränke. Gezeigt wurde, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen der Muskeltemperatur während der Regeneration und der Ermüdungsresistenz bei anschließender Belastung gibt. Dabei führt eine Wärmeanwendung zu einer signifikant besseren durchschnittlichen Leistung nach der Erholung als die Kälteanwendung. Diese Ergebnisse deuteten auf eine verbesserte Erholung unter Wärmeeinfluss hin.
 
Doch wie lässt sich dieses Ergebnis erklären? Generell benötigt ein leistungsfähiger Muskel einen Brennstoff für seine Funktion. Kohlenhydrate stellen dabei einen wichtigen Faktor der Energiegewinnung dar. Nach einer Belastung bzw. nach einem Training muss der Muskel seine Energiereserven wieder auffüllen. Diesbezüglich empfiehlt sich während der Regeneration eine Zufuhr von Kohlenhydraten. Aus der aufgenommen Glucose synthetisiert der Muskel Glykogen, den entscheidenden Energielieferant. Für die Aufnahme und Synthese sind viele biochemische Vorgänge nötig, die auf vielen Ebenen beeinflusst werden können. Auf der Grundlage dieser Annahme wurde nach einer Regenerationsphase der intramuskuläre Glykogengehalt ermittelt (im Tiermodell). Beweisend für eine temperaturabhängige Glykogensynthese wurde der deutlich niedrigere Glykogengehalt nach einer Kälteanwendung im Vergleich zur Wärmeanwendung angesehen.

Abgeleitet aus einer Verschlechterung der Muskelerholung sowie einer daraus folgenden Leistungsabnahme bei einer Kälteanwendung unmittelbar nach dem Training, sollte eine Anwendung besonders bei unmittelbar aufeinanderfolgenden Belastungen hinterfragt werden. Im Besonderen mehrtägige Wettkämpfe stellen eine kumulative Ermüdung für die Muskulatur dar und könnten durch Anwendung der oben genannten Ergebnisse zusätzlich negativ beeinflusst werden.
 
Zusammenfassend ließ sich also in der Untersuchung ein positiver Einfluss der Wärmetherapie auf die nachfolgende Muskelkraft und Ausdauerfähigkeit feststellen. Durch eine Kälteanwendung mit reduzierter intramuskulärer Glykogensynthese wurde eine verschlechterte Regeneration der Muskelfunktion aufgezeigt.
 
Ob diese Ergebnisse der neue Goldstandard werden und man nach einem Training nur noch unter die heiße Dusche bzw. in die Sauna gehen sollte, beantwortet diese Studie nicht. Dennoch gibt es weitere Übersichtsarbeiten [2], die den Einfluss von Kältetherapie mit kaltem Wasser auf die molekulare Trainingsanpassung nach einem Ausdauertraining untersuchten. Dabei wurde Bildung von Mitochondrien („Kraftwerke der Zellen“) genauer unter die Lupe genommen. Bei einer einzigen Anwendung präsentierte sich zunächst eine leicht gesteigerte Mitochondrienproduktion. Eine regelmäßige Anwendung nach dem Training zeigte dennoch nur eine minimale oder gar keine Auswirkung auf die langfristige Anpassung in der Skelettmuskulatur. Besonders nach dem Krafttraining deutet die aktuelle Evidenz auf keine oder sogar eine negative Auswirkung auf die molekulare Trainingsanpassung hin.
 
Theorie und Realität präsentieren sich jedoch nicht immer deckungsgleich. Bei aller Theorie sollte man als Sportler das eigene Körpergefühl nicht verlieren und nur nach Studienergebnissen leben.
 
 


Bibliografie
1.         Cheng, A.J., Cooling down the use of cryotherapy for post-exercise skeletal muscle recovery. Temperature (Austin), 2018. 5(2): p. 103-105.
2.         Broatch, J.R., A. Petersen, and D.J. Bishop, The Influence of Post-Exercise Cold-Water Immersion on Adaptive Responses to Exercise: A Review of the Literature. Sports Med, 2018. 48(6): p. 1369-1387.
 

Bildnachweis

Figur 1 aus Cheng, A.J., Cooling down the use of cryotherapy for post-exercise skeletal muscle recovery. Temperature (Austin), 2018. 5(2): p. 103-105