Menü

Sportlerprofil by Larasch

Grippeschutzimpfung im Leistungssport?! 

Gerade in der aktuell beginnenden Erkältungs- und Grippeperiode suchen besonders Leistungssportler nach Optionen und Methoden, um sich vor krankheitsbedingten Trainings- und Wettkampfausfällen zu schützen. Dabei gibt es viele Empfehlungen und Strategien, um das Immunsystem in der kalten Jahreszeit widerstandsfähig zu machen. In einem aktuellen Beitrag der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin findet sich ein gutes Schaubild, welches diverse protektive Faktoren mit einer Beeinflussung auf die Immunfunktion beinhaltet. Folgende Aspekte werden dabei von den Autoren als besonders wichtig in der Infektprophylaxe angesehen [1]: 

  • Einhaltung adäquater Trainingsbelastungen und Regenerationsmaßnahmen
  • supportive Ernährungsstrategien
  • Maßnahmen der Stressprävention
  • wirksame Schlafhygiene
  • Impfempfehlungen und allgemeine Hygienemaßnahmen
  • adäquater Umgang mit Training unter besonderen Bedingungen (z. B. Höhe, Kälte, Hitze)

 

Abbildung: Infektprävention im Leistungssport mit freundlicher Genehmigung aus: Palmowski J*, Boßlau TK*, Ryl L, Krüger K, Reichel T. Managing immune health in sports – a practical guide for athletes and coaches. Dtsch Z Sportmed. 2019; 70: 219-226. doi:10.5960/dzsm.2019.389

 

Bezug nehmend darauf möchte ich heute eine aktuelle Studie zum Thema Impfen im Leistungssport vorstellen (im Speziellen der Grippeschutzimpfung) [2]. Derzeit gibt es kein allgemein gültiges Management im Umgang mit Impfungen im leistungssportlichen Training. An der Universität des Saarlandes ging man daher dieser Frage nach und untersuchte die Wirkung sowie Effektivität, Nebenwirkungen und den Zeitpunkt der Grippeschutzimpfung bei Leistungssportlern. 

Prinzipiell handelt es sich bei der Grippe, im Fachjargon Influenza genannt, um einen schweren, fieberhaften und möglicherweise komplikationsreichen Virusinfekt. Übertragen werden die Viren dabei durch Tröpfchen- (z. B. bei Husten oder Niesen) und Schmierinfektionen (Übertragung durch Oberflächen wie Türklinke) oder den Menschen insbesondere durch Handschlag). Charakteristisch zeigt sich eine Grippe durch einen plötzlichen Beginn mit Fieber, Schüttelfrost, Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem starken Krankheitsgefühl. Bei Sportlerinnen und Sportler sind in einer solchen Situation längere Trainingsausfälle vorprogrammiert. Nicht zuletzt reicht die Liste an Komplikationen bei einer nicht auskurierten Influenza bis hin zur Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Antibiotika helfen bei einem viralen Infekt nicht und somit beschränkt sich die Therapie in den meisten Fällen auf die Symptomatik (z B.: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Fiebersenkung, Hustenstillung). Der Prävention kommt daher eine entscheidende Rolle zu. Neben den vielen oben bereits genannten Maßnahmen, stellt die Impfung insbesondere im Bezug auf die Influenza einen wichtigen Faktor dar. Durch eine Impfung werden vom Immunsystem sogenannte Antikörper zur Abwehr gebildet. Diese können im Fall einer Infektion den Grippevirus schneller und effektiver bekämpfen. Der Impfstoff gegen die Grippeviren ist jedoch nur saisonal verfügbar und sollte von September bis November appliziert werden. Da eine Impfung immer nur für eine Saison wirksam ist, sollte eine Grippeschutzimpfung jährlich durchgeführt werden. Generell lassen sich also gute Gründe für die Empfehlung einer Grippeschutzimpfung bei Leistungssportlern finden. Nicht zuletzt gab es auch schon in der Vergangenheit kleinere Untersuchungen mit dem Ergebnis, dass Sportler mit einem Impfschutz in der Influenzasaison weniger Trainingsausfälle hatten [3].

Ungeachtet dessen gibt es immer wieder Bedenken im Zusammenhang mit Impfungen sowie in Kombination mit dem Faktor Leistungssport. Probleme stellen sich schon in der Integration des Impfzeitpunktes in den Trainingsplan dar. Zudem gibt es immer wieder Vermutungen, dass die Impfnebenwirkungen bei zeitlicher Nähe zu körperlicher Belastung höher sind. Weiteren Berichten zufolge herrscht immer noch Skepsis, ob durch die intensive körperliche Belastung die Immunreaktion des Körpers beeinträchtigt ist und daher kein sicherer Impfschutz aufgebaut werden kann. 

In der Studie an der Universität des Saarlandes [2] wurden die Impfergebnisse zwischen zwei Probandengruppen mit Leistungssportlern und einer Kontrollgruppe verglichen. Dabei gab es unter den Probanden eine Gruppe, welche die Impfung innerhalb von 2 Stunden nach einem intensiven Training erhielt und eine Gruppe, welche die Impfung nach einer mindestens 26-stündigen Trainingspause erhielt. Eine Analyse der Immunantwort im Körper erfolgte aus dem venösen Blut und wurde am Tag der Impfung, nach einer Woche, nach zwei Wochen und nach einem halben Jahr untersucht. Mögliche Nebenwirkungen und Trainingszeiten wurden durch standardisierte Fragebögen gemessen und analysiert. 

 

Taken together 

1. Nebenwirkungen

In der Studie konnte gezeigt werde, dass sich die Rate der Nebenwirkung in den beiden Probandengruppen nicht signifikant voneinander unterschied. Somit kommen die Autoren zum Schluss, dass die Nebenwirkungen keinen Bezug zur sportlichen Belastung haben. Eine frühere Übersichtsarbeit, in der sich keine erhöhte Komplikationsrate bei Impfung nach sportlicher Aktivität zeigte, konnte damit bestätigt werden [4]. Im Vergleich zur Kontrollgruppe fanden sich bei den Leistungssportler mehr Muskelschmerzen und eine vermehrte Rötung an der Einstichstelle (vermehrt in der 2h Gruppe). Jedoch könnte der vermehrte Muskelschmerz auch damit begründet werden, dass Sportler eher dazu neigen in den eigenen Körper hineinzuhören. 

2. Immunantwort

Wann ist eine Grippeimpfung bestmöglich in den Trainingsplan zu integrieren und wie effektiv baut das Immunsystem Antikörper gegen die Grippeviren aus? Bei den untersuchten Sportlerinnen und Sportler konnte gezeigt werden, dass die Effektivität der Bildung von Antikörpern (Immuninduktion) unabhängig vom Zeitpunkt der Impfung in Bezug auf der Training ist. Ebenfalls legen die Ergebnisse eine mindestens genauso hohe Immunität der Impfung bei Leistungssportlern im Vergleich zur Normalbevölkerung bzw. Kontrollgruppe nahe. 

3. Beeinflussung des Trainingsalltags

Der vermutlich wichtigste Punkt für einen Leistungssportler ist die Beeinflussung des Trainingsalltags. Auch hier zeigt die Studie keinen signifikanten Unterschied in der Trainingseinschränkungen zwischen einer Impfung nach einem intensiven Training und einer Trainingspause von über 26 Stunden. Weitere aktuelle Studien können dieses Ergebnis unterstützen und zeigen ebenfalls keine Einschränkungen der Trainingsaktivität nach der Impfung [5]. 

 


Fazit:

Im Großen und Ganzen zeigt diese Studie, dass sich eine Grippeschutzimpfung gut in den Trainingsalltag integrieren lässt. Es konnte gezeigt werden, dass die Maßnahme nebenwirkungsarm, effektiv und ohne Bezug zur Trainingsbelastung ist. Der Nutzen eines Impfschutzes überwiegt vermutlich die Risiken der Impfung oder ganz und gar einer Infektionen mit Grippeviren. Bei Leistungssportlern stellt sie eine sichere und wirksame Methode in der Prophylaxe von Infektionen dar. Generell empfiehlt es sich, einen Tag Trainingspause vor einer Impfung einzulegen. Ebenfalls sollten wichtige Trainingseinheiten oder sogar Wettkämpfe in den beiden Tagen nach der Impfung vermieden werden.

 

Bibliografie

1. Palmowski, J., et al., Managing immune health in sports – a practical guide for athletes and coaches. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2019. 10.

2. Ziller, C., et al., Immunantwort und Nebenwirkungen nach Influenzaimpfung bei Leistungssportlern („Impftrain“). Sports Orthopaedics and Traumatology, 2018. 34(2): p. 171.

3. Ross, D.S., R. Swain, and J. Thomas, Study indicates influenza vaccine beneficial for college athletes. W V Med J, 2001. 97(5): p. 235.

4. Grande, A.J., et al., Exercise prior to influenza vaccination for limiting influenza incidence and its related complications in adults. Cochrane Database Syst Rev, 2016(8): p. CD011857.

5. Ledo, A., et al., Elite athletes on regular training show more pronounced induction of vaccine-specific T-cells and antibodies after tetravalent influenza vaccination than controls. Brain Behav Immun, 2019.

 

Titelbild Bild Arek Socha auf Pixabay