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Sportlerprofil by Larasch

(H)eis, (h)eis, baby! Ironman Frankfurt 2019

Ich bin wirklich wieder sehr verliebt in diesen Sport. Es war ein extrem harter erster Ironman, umso stolzer bin ich, ins Ziel gekommen zu sein. Zeitvorgaben hatte ich mir für mein „Debüt“ ja eh schon nicht gemacht und als dann nach der rekordfrequentierten Woche bei wetteronline.de (tausendfaches Klicken auf den Wetterbericht für Frankfurt) fest stand , dass es tatsächlich an die 40°C werden würden, wuchs mein Respekt vor der Herausforderung noch einmal um ein großes Stück an. Ich bin ein Sommermensch und liebe gutes Wetter, auch für Triathlons ist mir Wärme lieber, als Kälte, aber man hatte nach dem eher durchwachsenen Sommer bisher ja keine Chance, sich an die Hitze zu gewöhnen. In der Taper-Woche, wo die Temperaturen auch schon anstiegen, wars dafür nun auch zu spät, da habe ich eher darauf geachtet, nicht im Vorfeld schon zu viel Schweiß zu verlieren. Jedenfalls war klar, dass es ab der zweiten Rad Runde extrem heiß werden würde. Windböen mit bis zu 40 km/h wurden dann auch noch dazu gebucht, berichtete mir der nächste Klick auf die Wettervorhersage. Wer braucht schon Hawaii, wenn er Frankfurt haben kann. Neo-Verbot gab es nach den heißen Tagen auch, der Langener Waldsee hatte Badewannentemperatur mit über 25°C. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass die See-Temperatur für uns Age Grouper "zurechtgemessen" wird und ich in meinem Kurzarm-Neo aus der Jugendliga Zeit schwimmen kann, denn der macht mich deutlich schneller: Ja, ich habe meinen Neo auch noch zum Schwimm-Start mitgeschleppt, leider vergebens. Schwimmen ging aber erstaunlich gut und locker, durch den Rolling-Start alles sehr entspannt. Ein bisschen nervig die Person, die mir auf der ersten Runde an den Füßen hing. Ich spendier ja gern Wasserschatten, aber Füße runter drücken nervt.

Die Radstrecke ist in Frankfurt ja aktuell mit 185km auch noch 5km zu lang… Aber gut, wer „Ironman“ werden will, den darf das alles nicht abschrecken, kriegt man wenigstens was geboten für sein Geld ;o). Ich wollte definitiv ins Ziel und mir war klar, dass ich das Ganze ruhig angehen und mich auf einen 12- Stunden – Tag einstellen würde, um kein DNF zu riskieren. Als wären die äußeren Umstände nicht eh schon hart genug, ist mir bei Kilometer 30 auf der Radstrecke mein hinterer Schaltzug gerissen, sodass ich nur noch zwei Gänge hatte. „Das kann doch jetzt nicht wahr sein“, schoss es mir in den Kopf, aber gleichzeitig war der Wille, ins Ziel zu kommen immer präsent. Egal, fährt ja noch. Als der Defekt auftrat, habe ich einen Kampfrichter gefragt, ob man da was machen könne. Man darf von außen keine Hilfe annehmen und nen Schaltzug hatte ich jetzt nicht dabei, bzw. bin ich da leider auch nicht kompetent genug, um den selbst zu wechseln. Auf die Frage, ob ich aussteigen möchte, brüllte ich dem Kampfrichter jedenfalls ein lautes und deutliches „NEIN!!“ entgegen und fuhr entschlossen weiter. Gegen den Wind ging´s dann im Wiegetritt, den schweren Gang konnte ich in der Aeroposition nicht treten, ich bin ein „hochfrequent-Fahrer“ und dicke Gänge liegen mir gar nicht. Gut, durch das viele im Stehen fahren hatte ich mit eventuell auftretenden Sitz-Schmerzen immerhin kein Problem mehr. Runter und flach ohne Gegenwind ging dann aber einigermaßen gut, wobei dafür der ganz dicke Gang zu schwer und der andere eher zu leicht war, aber war nun halt so. In ne Gruppe einreihen ging nicht, denn die schalteten natürlich entsprechend passend und waren dann weg. Da die Radstrecke in Frankfurt mit einigen Bergen gesäumt ist, lag hier die besondere Herausforderung, diese im Wiegetritt hochzutreten, ohne zu sehr in den roten Bereich zu kommen. In der ersten Runde konnte ich die „Hügelchen“ noch wegdrücken, aber in der zweiten musste ich an den steilen Stellen nahezu gegen das Umkippen kämpfen. Nen 32er Schnitt bin ich trotzdem noch gefahren, so schlecht find ich das nun nicht. Nur: Dicke Gänge machen natürlich dicke Beine. Wirklich suboptimal und schade, denn das hat mir schon ein bisschen den Spaß an der Radstrecke vermiest, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte. Mit einer funktionierenden Schaltung hätte das richtig Bock gemacht. Aber „hätte, hätte Fahrradkette“, immerhin hat es so gehalten - zwischendurch gingen Stoßgebete gen Himmel, dass die Schaltung nicht komplett kaputt geht. DNF wegen technischem Defekt, so hätte ich mir das hier nicht vorgestellt.

Als klar war, dass ich T2 erreichen würde, freute ich mich riesig, nur trat dann direkt die nächste böse Überraschung auf. Ein heftiger Schmerz schoss in meine linke Achillessehne, als ich mein Rad laufend an seinen Platz schieben wollte. Die Sehne fand das ganze Wiegetritt fahren wohl nicht so witzig. Also musste ich mein Rad humpelnd im Gehen aufhängen, dann humpelte ich erstmal aufs Dixi, die ganze Trinkerei führte da zu einer gefühlt 5-minütigen Sitzung…. Ich fragte mich wirklich, ob ich den Marathon mit den Schmerzen aushalten kann. Beim Loslaufen dann die große Erleichterung: Es ging. Ich merkte keinen Schmerz mehr! Danke, ihr tollen Laufschuhe. Die ersten zwei Runden liefen noch super und ich freute mich so sehr über meine Familie, Freunde und Vereinskollegen, die am Streckenrand kräftig anfeuerten. Das gesamte Publikum war ein riesiger Support, überall gab es aufmunternde Worte, an einigen Stellen Musik – von rockig bis Schlager - und ich wusste wieder, warum ich mich für Frankfurt entschieden hatte. Die Stimmung auf der Laufstrecke trägt einen ins Ziel. Einfach grandios. Ab der dritten Runde konnte ich leider kaum mehr ein Lächeln zurückschenken, vor allem weil an zwei Stationen in der prallen Sonne das Eis leer war, ohne Runterkühlen ging an dem Tag nix. Zum Glück war das Eis nur temporär aus und danach gab es wieder welches, sonst hätte ich nicht weiterlaufen können. Zu der brutalen Hitze gesellten sich die erwarteten Schmerzen in den Oberschenkeln dazu. Immerhin erst ab Kilometer 23, da hätte ich nach den ungewohnt dicken Gängen auf dem Rad früher mit gerechnet. Der Hitze mussten alle Tribut zollen. Schon auf der Radstrecke habe ich einige Teilnehmer im Gras liegen sehen (kein Witz!) Die Sanitäter waren im Dauersatz und hatten auf dieser Sportveranstaltung definitiv keine Langeweile. Die Taktik war für alle die Gleiche: Von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand laufen und dort ordentlich trinken, Energie zuführen und kühlen. Ich habe mir immer Eiswürfel „to go“ ins Sport Top geschüttet und nahm meistens einen Eiswürfel in die Hand, um damit zwischendurch Nacken und Unterarme zu kühlen. Auf Runde drei und vier musste ich ein paar Zwischenspaziergänge einlegen, wie so viele um mich herum auch. Der Puls musste einfach zwischendurch runter. Bisschen Völkerwanderung und gemeinsames Leiden war angesagt.

Auf die Zeit habe ich beim Zieleinlauf gar nicht mehr geachtet. Mit 12:06 h die 12 vorne stehen zu haben war jetzt ehrlich gesagt nicht die Zahl, die ich mir vorher so während der Trainingsmonate erträumt hatte. Auch wenn ich mit meiner Vorahnung des 12- Stunden - Tages aufgrund der Bedingungen dann eben doch ziemlich richtig lag. Freude und der Stolz, es trotz Defekt duchgezogen und geschafft zu haben überwiegen. Der Zieleinlauf war toll und den konnte ich wieder in vollen Zügen genießen. Ich werde nur noch mal wiederkommen müssen, um diese geile Radstrecke mit funktionierender Schaltung zu fahren :o)!