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Sportlerprofil by Larasch

Besser spät, als nie

Der Weg ist das Ziel! Für uns Ausdauersportler gilt das ganz besonders. Sonst würden wir uns gar nicht erst aufmachen auf unsere Touren durch den Wald, über die Felder oder die Berge. Ich mochte schon immer gerne lange, große Trainingsrunden. Nicht selten habe ich dafür Ärger von meinen Mitläuferinnen bekommen, damals im Laufverein, so im Alter von 19. Wir trainierten für 10km Wettkämpfe und da hatte eigentlich niemand Bock auf zweistündige Waldläufe. Außer mir. Sonntags sollten wir lange und locker laufen, so die Vorgabe des Trainers, also haben wir uns in der Gruppe getroffen und sind los. Weil ich mich im Wald aufgrund diverser Mountainbike Touren mit Papa gut auskannte, habe ich gerne den Tourguide gespielt, denn mir war auch immer wichtig, wo wir lang laufen. Die Strecke sollte schön sein. Es ging nicht ums reine Kilometer schrubben, sondern auch ums Naturerlebnis. Abwechslungsreiche Wege zu laufen, auch mal Trails und rauf und runter. Meine Begleiterinnen fanden die Strecken auch immer cool, auf den breiten Wegen konnten wir gut quatschen und bei den Trails musste man halt aufpassen und ein bisschen technisch geschickt sein. Nur wenn die Runden dann immer länger wurden, bekam ich öfter ein „wann sind wir endlich daaaa?!?! Lea, wo sind wir hier?!??“ zu hören, wir haben dann gelacht, keiner war mir ernsthaft böse, interpretierte ich zumindest so, vielleicht hab ich mich auch das ein oder andere Mal in der Länge verschätzt und es wurde dann wirklich etwas weit. Dieses Nörgeln am Ende einer langen Einheit mag nachvollziehbar sein, aber mir selbst ist das fremd. Ok, außer man friert oder hat Hunger, das ist was anderes. Den Gedanken, dass man nach Hause möchte und am Ende nicht mehr so Lust hat, kenne ich schon. Aber grad das finde ich irgendwie reizvoll, also diese Herausforderung für den Kopf zu meistern. Ich stelle mir dann vor, was ich gleich alles Schönes machen werde und dann geht’s wieder voll gut. Das ist oft nichts Spektakuläres, ne einfache warme Dusche bekommt so viel mehr Wert oder ein Glas Wasser bei Durst, das man dann herbei sehnt…oder ne kalte Cola, naja vielleicht auch ein Bier…  das Sofa und die warme Decke…. Leckeres Essen und am besten sich bekochen lassen ;o)  Man freut sich schon aufs Ziel, aber der Weg bis dahin will genossen werden.

Deswegen passt „Der Weg ist das Ziel“ für mich auch gut auf das Ironman Training. Zum Erlebnis Langdistanz gehört nicht nur der Tag X, sondern halt das ganze Paket drum herum, inklusiver der Trainingsmonate. So lässt sich übrigens das teuer gezahlte Startgeld besser ertragen, auf die sagen wir mal sechs bis acht Monate der Vorbereitung verteilt, erweist sich das Ironman Projekt günstiger als so manches Fitnessstudio… ;o)

Für mich ist das jetzt der zweite Weg nach Frankfurt und der verläuft schon mal anders als der erste. Letztes Jahr bin ich etwas übermotiviert ins Training gestartet, muss ich rückblickend sagen. Schon Ende Oktober ging es los und dann folgten eigentlich vier gute Monate konstantes Wintertraining, bevor mich im Frühjahr dann die zwei Erkältungsphasen geärgert haben. Dieses Mal bin ich Mitte Oktober erstmal noch Marathon gelaufen und war danach zur Sportpause gezwungen. Ich bin kein Freund von langem „trainingsfrei“, also war es vielleicht auch ganz gut, dass mein Körper mich aufgrund der Bronchitis dazu gezwungen hat. Die Knochen, Sehnen, Bänder…alles muss sich auch mal erholen. Dass man ne Offseason hat, wo man auch mal mit gutem Gewissen unfit sein kann, mag ich am Triathlon eigentlich. Im Laufen hatten wir das irgendwie nie, da gab es das ganze Jahr über Wettkämpfe.

Loslegen konnte ich dann erst Mitte November. Nach vier Wochen kaum Sport war der Einstieg echt mühsam, insbesondere die ersten etwas hügeligeren Radtouren forderten mich heraus. Also irgendwer muss hier die Berge steiler geschraubt und verlängert haben! Das ging doch letztes Jahr noch alles so easy und jetzt will der Anstieg kein Ende nehmen… Gummi in den Beinen kennt wohl jeder, der nach ner längeren Pause wieder aufs Rad steigt. Naja, mittlerweile ist deutlich an Kraft in den Oberschenkeln zurückgekommen. Das lässt hoffen. Im Schwimmtraining bin ich auch ne Bahn „abgestiegen“, aber wen wundert´s, Schwimmen habe ich schon im Marathontraining schleifen lassen oder ehrlich gesagt *hust“ „ausgesetzt“. War aber wichtig für den Kopf, jetzt hab ich wieder richtig Spaß dran! Ich lass diesmal die Frühjahrserkältung weg und dann wird das was mit der Form bis Ende Juni… happy Training!